Wie schon so oft sitzt Michael Meyer im Auto auf dem Weg nach Ronnenberg in die ehemalige Werkstatt des Kalibergwerkes. Diese hat der Auftraggeber Bernd Künne in ein Planungsbüro für Bau- und Architekturprojekte mit Showroom verwandelt. Ausgefallene, bis ins kleinste Detail durchdachte Entwürfe für Möbel und Einbauten zeigen sich hier in einer perfekten handwerklichen Umsetzung.
Mit an Bord auf dieser Fahrt sind der Fotograf Marco Gallmeier und Texterin Karin Raschke. Heute findet mit Einverständnis des Hausherrn ein Shooting statt, um wieder einmal ein ausgewähltes Projekt aus dem Hause Fricke vorzustellen.
Es ist Mitte Dezember und noch ahnen die drei nicht, wie sehr das Wetter ihren Tag bestimmen wird. Dass sie etwas Außergewöhnliches erwartet, steht außer Frage, denn Bernd Künne ist kein Unbekannter.
Die Zusammenarbeit des Ingenieurs Künne mit dem Unternehmen Fricke besteht seit vielen Jahren. Spektakuläre Einrichtungen haben sie gemeinsam umgesetzt. Dabei sind die Rollen klar verteilt. Bernd Künne ist der visionäre Initiator und versteht es, seine Ideen exakt zu skizzieren.
Bei Michael Meyer trifft er auf einen Ingenieurs-Kollegen, der seine Sprache spricht. Auf hohem Niveau arbeiten sie gemeinsam an der präzisen Umsetzung der Pläne. Unermüdlich wird in dieser Phase über Materialien, Farben, Oberflächen, Konstruktionszeichnungen und millimetergenaue Fertigung diskutiert.
Dabei kommt es nie vor, dass eine Fragestellung sich wiederholt. Denn in Bernd Künnes Einrichtungskonzepten ist Veränderung eine der wenigen Konstanten. „Beim Gestalten von Arbeits- und Wohnwelten möchte ich immer etwas Neues schaffen.“ So bleibt die Zusammenarbeit mit dieser facettenreichen Persönlichkeit spannend und voller Überraschungen.
Es ist erst wenige Jahre her, dass dieses Gebäude der PRV – Planen, Realisieren, Vermarkten Gesellschaft zur Entwicklung von Bauvorhaben mbH mit Recht als Industrieruine bezeichnet werden durfte. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde hier der Schacht „Deutschland“ gebaut. Aus dieser Zeit mag auch die dazugehörige Werkstatt stammen. Hinter schweren Toren verbargen sich unter Schichten von Staub und Vergangenheit die Zeugen einer Hoch-Zeit des Kalibergbaus in der Region Hannover – in traurigem Zustand, aber immerhin denkmalgeschützt. Bernd Künne erkannte das Potenzial und seine Leidenschaft, Räume zu schaffen, war geweckt. Es gab keine Heizung, keine Sanitäranlagen, Wände mussten entfernt, Treppen und Stützen versetzt werden. Das nährte nur den Ehrgeiz des Ingenieurs und es begann wieder einmal die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Fricke in Person von Michael Meyer. Zunächst wurde dafür gemeinsam der Aufriss gemacht. Es folgte die Entscheidung, die alten Tore durch große Glasfronten zu ersetzen, wodurch sich eine beeindruckende Sichtachse durch das ganze Gebäude ergibt.
Der Fotograf kämpft mit dem Licht. An diesem schönen Wintertag strahlt die Sonne einmal durch das ganze Gebäude. So musste das Shooting im Erdgeschoss auf die Nachmittagsstunden verlegt werden, als ein paar gnädige Wolken, entsprechendes Equipment und das Know-how des Profis eine optimale Ausleuchtung möglich machten.
Eine wesentliche gestalterische Grundlage ist hier das Farbkonzept. Der Bauherr hat sich für die drei Grundfarben Rot (RAL 3020), Grün (RAL 6029) und Blau (RAL 5005) entschieden. Die Möbel wurden in Frickes Fertigungshalle nach Maß gebaut und in der hauseigenen Oberflächenveredelung lackiert. Neben diesen dominanten Tönen spielen Schwarz und Weiß die Hintergrundmusik. Der ursprünglich geplante Holzfußboden wich deshalb schwarzem Linoleum.
Entlang der Sichtachse ist ein monumentales Tischensemble platziert. Eine quadratische Ablage auf kräftigen Vierkantbeinen begrüßt die Eintretenden in „Verkehrsrot“. Der gläserne Schreibtisch neutralisiert den Blick, bevor ein 4,80 Meter langer Tisch in Signalblau bis zum anderen Ende des Raumes führt.
„Ich bin ein Tischfreund. Überall, wo ich arbeite oder lebe, gibt es einen Tisch für zwölf Personen“, erklärt Bernd Künne. Für diese Wirkungsstätte das passende Möbel zu finden, war allerdings nicht ganz einfach. Nach 73 besichtigten Modellen in fünf Städten, die alle nicht hundertprozentig seinen Vorstellungen entsprachen, hatte der Tisch vor seinem geistigen Auge längst Gestalt angenommen und wurde von Michael Meyer am Bildschirm exakt konstruiert. Reichlich Stahl sorgt für stabile Standfestigkeit.
Flankiert werden die Tische einerseits von einer mintgrünen Regalwand. Sie dient nicht nur zur Aufbewahrung von Akten, Büchern, Geschirr und Accessoires, sondern fungiert auch als Raumtrenner. Gegenüber befindet sich, exakt unter der Treppe integriert, der große Küchenblock, der unter anderem zwei Weinkühlschränke beherbergt.
Auch wenn es sich um ein Businessumfeld handelt, spielt die Küche eine zentrale Rolle in diesem Einrichtungskonzept. Hier haben die Konzeptioner ihre Kür hingelegt, und das Ergebnis ist geeignet, kompromisslose planerische Präzision zu demonstrieren. Im mittleren Block sind sämtliche E-Geräte untergebracht – passgenau und unter Berücksichtigung einer exakten Symmetrie aller entstehenden Linien inklusive der Griffe. Beim Abstand zwischen Backofen und Wärmeschublade zum Beispiel rang Bernd Künne um jeden Millimeter, bis er mit dem Gesamtbild zufrieden war. Der zentrale rote Küchenblock bietet nicht nur großzügige Arbeitsfläche und reichlich Stauraum, sondern stellt auch einen Treffpunkt dar, der zum Austausch in Arbeitspausen einlädt.
Die wandseitige Küchenzeile ist in der Höhe den Fensterbänken angepasst, so dass ebene Flächen gegeben sind. Spüle und Arbeitsplatte sind aus dem gleichen schwarzen Stein. So altern sie gemeinsam und bewahren einen einheitlichen Charakter.
Auch hier sind alle Einbauten in Neubruchhausen durch die Hände der Fricke-Mitarbeiter gegangen und mit handwerklichem Können und professioneller Technik zu einem hochwertigen Küchenunikat geworden.
Eine offene weiße Metalltreppe führt ins Obergeschoss. Dort bildet ein Quader das Zentrum der oberen Etage, in der es ansonsten fast keine Innenwände gibt. Mit 4,10 x 2,90 Meter dient der mittige Block als begehbare Garderobe und ist mit Regalen und Hängevorrichtungen an den beiden Längsseiten ausgestattet. Über eine Leiter gelangt man auf eine kleine Fitnessinsel, von der aus man das gesamte Stockwerk überblickt.
70 – 80 Designlampen setzen die Szenarien ins richtige Licht.
Um das mittige Ensemble reihen sich verschiedene Raumkompositionen an den Außenwänden entlang. Designmöbel, Fotokunst, Sammlerstücke und Fundsachen bilden Stileinheiten, die wie fließend ineinander übergehen und gleichzeitig den Eindruck einer geschmackvollen Provokation hinterlassen. Widersprüchlichkeit wird zum verbindenden Element.
Dezent, aber wirkungsvoll sind für jedes Kabinett Bilderleisten in unterschiedlichen Längen gefertigt und entsprechend platziert, um eine wechselnde Präsentation der Fotosammlung des Showroom-Inhabers zu ermöglichen.
Der blaue Schreibtisch ist ein typisches Beispiel für die Zusammenarbeit von Auftraggeber und Projektleiter. Im Planungsprozess tat sich an seinem Platz eine Lücke auf. „Hier fehlt etwas“, konstatierte Bernd Künne und fertigte innerhalb von Minuten eine inspirierte Zeichnung an. Vertraut mit den Ideen und Vorstellungen benötigte Michael Meyer nicht viel Erklärung, um kurze Zeit später das gewünschte Möbelstück zu liefern.
Das Bad ist visuell und technisch ein Meisterstück. Das kleine Pendant dazu befindet sich als Gäste-WC im Erdgeschoss.
Die einzigen verschließbaren Türen des Obergeschosses befinden sich hier vor dem WC als Schiebeelemente. Die dunkle, florale Tapete vermittelt Urwaldfeeling und ist ein spannungsvoller Background zu den Möbeln im wieder aufgegriffenen RAL 6029-Grün.
Badezimmer und Gäste-WC im gleichen Look.
Leistungen
Eigene Fertigung